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Nachfolge in der Familie

Das Unternehmen soll in der Familie bleiben.

Vielleicht willst du an deine Tochter oder deinen Sohn übergeben, vielleicht übernimmst du von deinen Eltern, vielleicht gehörst du als Geschwisterkind oder Partner:in dazu und fragst dich, wo dein Platz in dieser Übergabe ist. Eine Familiennachfolge ist keine einfachere Variante der Übergabe, nur weil man sich kennt. Sie folgt eigenen Regeln. Mehr als die Hälfte aller Inhaber:innen mit Nachfolgewunsch denkt an ein Familienmitglied, und Familien bringen dafür etwas mit, das kein Verkauf bieten kann: gewachsenes Vertrauen, Wissen aus erster Hand und einen Zeithorizont, der in Generationen denkt.

In vielen Familienbetrieben steht seit Jahren fest, wer übernimmt. Ausgesprochen und wirklich entschieden wurde es dabei oft nie. Die Übernahme ist dann eine Erwartung, die alle teilen und niemand geprüft hat. Solche Nachfolgen passieren, statt gewählt zu werden, und das kann sich später rächen: Eine Erwartung, die nie zur Entscheidung wurde, bricht häufig in dem Moment, in dem es anstrengend wird.

Wenn du übernehmen sollst oder willst, hilft dir eine Frage, die vieles sortiert: Würdest du diesen Betrieb auch übernehmen, wenn er nicht deiner Familie gehörte? Wer darauf eine ehrliche Antwort hat, kennt den Unterschied zwischen eigener Motivation und Pflichtgefühl. Drei Antriebe tragen eine Übernahme auf Dauer selten: Pflicht gegenüber den Eltern, Flucht aus einer unbefriedigenden Anstellung und Loyalität zum Betrieb, der sonst niemanden hätte. Was trägt, ist ein eigenes Bild davon, wohin der Betrieb unter deiner Führung gehen soll.
Wenn du übergibst, gilt der Umkehrschluss: Ein Kind kann nur frei Ja sagen, wenn es auch Nein sagen darf. Ein Nein zur Übernahme ist kein Bruch mit der Familie. Es schützt den Betrieb vor einer Nachfolge ohne Überzeugung und die Familie vor einem Konflikt, der Jahre kosten kann.

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Gleich ist nicht gerecht

Sobald ein Kind den Betrieb bekommt, steht in vielen Familien die Frage im Raum, was die anderen bekommen. Hier treffen zwei Logiken aufeinander, und beide haben recht: Die Familie denkt in Gleichheit, alle Kinder werden gleich geliebt, also soll jedes gleich viel bekommen. Der Betrieb denkt in Leistung, wer weiterführt und das Risiko trägt, hat Anspruch auf das Unternehmen. Dieser Widerspruch lässt sich selten wegrechnen, er lässt sich nur gestalten.

Die Gerechtigkeitsforschung liefert dafür einen belastbaren Befund: Menschen akzeptieren ein ungleiches Ergebnis eher, wenn der Weg dorthin fair war. Fair heißt: Alle Betroffenen werden gehört, die Kriterien liegen offen auf dem Tisch, und die Entscheidung wird erklärt statt verkündet. Das Gespräch mit den Geschwistern gehört deshalb an den Anfang der Übergabe, lange bevor ein Notartermin steht. Wichtig zu verstehen: Rechtlich spielen dabei drei Begriffe eine Rolle, die jede Unternehmerfamilie kennen sollte. Der Pflichtteil, der Kindern auch bei Enterbung zusteht. Die Zehnjahresfrist, nach der Schenkungen schrittweise aus der Pflichtteilsberechnung herauswachsen. Der Pflichtteilsverzicht gegen Abfindung, der dem Betrieb Planungssicherheit gibt. Die Erklärungen dazu findest du im internen Bereich, die Gestaltung gehört in die Hände von Notariat und Steuerberatung.

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Schenken, übergeben, verkaufen

In der Familie ersetzt oft ein anderer Weg den klassischen Kaufpreis. Mehrere Formen stehen offen: die Schenkung als vorweggenommene Erbfolge, die Übergabe gegen Versorgungsleistungen, die Schenkung unter Nießbrauchvorbehalt, bei der die Erträge ganz oder teilweise bei den Eltern bleiben, der Verkauf innerhalb der Familie und die schrittweise Übertragung von Anteilen über mehrere Jahre.

Welcher Weg passt, hängt an einer Frage, die Familien häufig am längsten aufschieben: Wovon leben die Eltern nach der Übergabe? Mit dem Betrieb geben sie meist ihre wichtigste Einkommensquelle ab. Versorgung, Absicherung und Rückfallklauseln für den Notfall gehören deshalb in jede Übergabe, bevor unterschrieben wird. Im internen Bereich findest du die Übertragungsformen im Überblick und eine Fragenliste, mit der ihr vorbereitet in den Termin bei Notariat und Steuerberatung geht.

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Der Weg: fünf Phasen, ein realistischer Zeitplan

Eine Familiennachfolge ist oft der längste aller Übergabewege. Rechnet eher in Jahren als in Monaten. Das ist kein Nachteil: Die Zeit ist einer der Gründe, warum Familienübergaben so stabil sein können.

Der Weg gliedert sich in fünf Phasen.
1. Orientierung: Beide Seiten klären zuerst getrennt, was sie wollen. Die Eltern ihre Ablösung, die Nachfolge ihre Motivation. Erst danach lohnt das gemeinsame Gespräch.
2. Analyse und Verständnis: Das Wissen, das bisher nur im Kopf der Eltern liegt, wird sichtbar gemacht. Der Betrieb wird realistisch eingeordnet, mit Stärken, Abhängigkeiten und Wert.
3. Entscheidung und Gestaltung: Erwartungen werden abgeglichen, die Übertragungsform wird gewählt, die Geschwister werden eingebunden, die Fachleute kommen an den Tisch.
4. Aktive Übergabe: Verantwortung geht Schritt für Schritt über, mit klaren Zuständigkeiten und einem festen Datum, ab dem die volle Verantwortung bei der Nachfolge liegt.
5. Stabilisierung: Die neue Führung festigt sich, die Eltern finden ihre neue Rolle, der Betrieb verändert sich mit Bedacht statt auf einen Schlag.

Ein typischer Fehler auf diesem Weg hat einen Namen: Doppelführung. Der Titel wechselt, die Entscheidungen bleiben bei den Eltern, und das Team merkt es sofort. Dagegen helfen klare Absprachen, wer ab wann über Personal, Investitionen, Preise und Strategie entscheidet. Vorlagen dafür liegen im internen Bereich.

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