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Ich möchte übernehmen

Ich möchte übernehmen.

Du willst ein bestehendes Unternehmen übernehmen. Vielleicht in der Familie, vielleicht aus deinem aktuellen Angestelltenverhältnis heraus, vielleicht als externe:r Nachfolger:in mit einer klaren Branchenidee. Auf dieser Seite findest du, was in dieser Phase wirklich relevant ist. Von der grundsätzlichen Entscheidung über die Suche nach dem passenden Unternehmen, die Bewertung, die Due Diligence, die Finanzierung bis hin zu den entscheidenden ersten 100 Tagen nach der Übernahme. Alles in der Reihenfolge, in der die Themen in der Praxis kommen.

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Die Entscheidung zur Übernahme

Eine Unternehmensübernahme ist keine kleinere Variante einer Neugründung. Sie ist in vielerlei Hinsicht anspruchsvoller. Du übernimmst nicht nur ein Geschäftsmodell, sondern eine Belegschaft mit gewachsenen Strukturen, Kund:innen mit Erwartungen, Lieferanten mit eingespielten Konditionen, Verträge mit langen Laufzeiten, eine Unternehmenskultur, eine Geschichte und oft auch ein Stück Identität der übergebenden Person.

Das hat Vorteile. Du hast vom ersten Tag an Umsatz. Du musst dir keinen Markt erobern, der noch nichts von dir weiß. Du übernimmst ein etabliertes System, in dem viele Fehler bereits gemacht und gelöst wurden. Statistisch sind Übernahmen erfolgreicher als Neugründungen, weil das wirtschaftliche Risiko zum Start geringer ist.

Es hat aber auch eine Kehrseite. Du übernimmst auch die Themen, die nicht gelöst sind. Veraltete Strukturen, eine Belegschaft, die an Veränderung nicht gewöhnt ist, Investitionen, die aufgeschoben wurden, eine möglicherweise einseitige Abhängigkeit von der bisherigen Inhaberin oder dem bisherigen Inhaber. Und du übernimmst eine Verantwortung, die emotional anders gewichtet ist als bei einer Neugründung. Wer ein Lebenswerk übernimmt, übernimmt auch eine Erwartung.

Vor jeder Übernahmeplanung lohnt eine ehrliche Selbstprüfung. Bist du bereit, in eine bestehende Kultur einzusteigen, statt eine eigene aufzubauen. Kannst du mit Strukturen leben, die du nicht selbst gestaltet hast, und sie behutsam weiterentwickeln. Hast du die finanzielle Tragfähigkeit für einen Kaufpreis, der oft im sechs- bis siebenstelligen Bereich liegt. Bist du bereit, dich auf eine längere Übergangsphase mit der übergebenden Person einzulassen.Wenn du diese Fragen für dich klar beantworten kannst, ist die Übernahme der richtige Weg.

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Wie du das richtige Unternehmen findest

Die Suche nach einem passenden Unternehmen dauert in der Regel sechs bis 24 Monate. Je spezifischer dein Suchprofil, desto länger dauert es, dafür passt das Ergebnis besser. Die wichtigsten Wege:Nexxt-change.

Die offizielle Unternehmensbörse von BMWE, KfW, DIHK, ZDH und Banken. Größte deutsche Plattform für Unternehmensvermittlung, kostenlos, mit Regionalpartnern in den Kammern. Erste Anlaufstelle für strukturierte Suche.

Weitere Unternehmensbörsen wie Dub.de (Deutsche Unternehmerbörse), biz-trade.de oder firmenzukaufen.de. Teilweise mit gehobenem Angebot, teilweise kostenpflichtig.

M&A-Berater:innen und Transaktionsexpert:innen. Vor allem ab einem Kaufpreis von etwa einer Million Euro aufwärts. Sie haben Zugang zu Angeboten, die nicht öffentlich inseriert sind, weil viele Übergebende absolute Vertraulichkeit verlangen.

Persönliches Netzwerk und Branchenkontakte. Viele Übergaben passieren ohne Plattform, weil sich Übergebende vertraulich umhören. Wer in einer Branche sichtbar und bekannt ist, bekommt Angebote, die nie öffentlich werden.

Kammern und Wirtschaftsförderungen bieten oft eigene Nachfolge-Vermittlungen und Beratungen, besonders im Handwerk und im regionalen Mittelstand.

Direkte Ansprache des Unternehmens, das du übernehmen möchtest. Ungewöhnlich, funktioniert aber öfter als gedacht, weil viele Inhaber:innen latent über die Nachfolge nachdenken, ohne aktiv zu suchen.

Ein klares Suchprofil ist Voraussetzung. Branche, Größenordnung in Umsatz und Beschäftigtenzahl, Region, Geschäftsmodell, Kaufpreisbereich. Ohne Profil schwimmst du im Angebot und kannst nicht entscheiden, mit Profil filterst du schnell.

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Die Unternehmens-bewertung

Es gibt mehrere Bewertungsverfahren, die je nach Unternehmen und Branche unterschiedlich gut passen.

Die gängigsten:
Ertragswertverfahren. Das in Deutschland am häufigsten angewandte Verfahren bei KMU. Es bewertet das Unternehmen auf Basis der zukünftig zu erwartenden Erträge, abgezinst auf den heutigen Tag. Voraussetzung ist eine realistische Planung für die nächsten drei bis fünf Jahre. Die Schwäche: Wer die Prognosen schönt, treibt den Wert nach oben.

Multiplikatorverfahren (EBIT-Verfahren). In der Praxis das am weitesten verbreitete Verfahren bei kleineren und mittleren Transaktionen. Der EBIT, also der Gewinn vor Zinsen und Steuern, wird mit einem branchenüblichen Multiplikator multipliziert. Schnell, vergleichbar, transparent. Die Multiplikatoren werden regelmäßig in Branchenstatistiken veröffentlicht und liegen je nach Branche meist zwischen dem 3- und 8-fachen des EBIT.

Substanzwertverfahren. Bewertet das materielle und immaterielle Betriebsvermögen abzüglich der Verbindlichkeiten. Wird vor allem bei substanzlastigen Unternehmen wie Produktion, Handwerk oder Immobilien ergänzend herangezogen. Discounted-Cash-Flow-Verfahren (DCF). Eine Verfeinerung des Ertragswertverfahrens, das vor allem bei größeren Transaktionen und im internationalen Kontext eingesetzt wird. Bewertet die zukünftigen Zahlungsströme statt der Erträge.

Wichtig zu verstehen: Wert und Preis sind nicht dasselbe. Der Wert ist eine rechnerische Größe. Der Preis ist eine Verhandlungssache, in die der Wert eingeht, aber auch Verhandlungsposition, Druck auf einer Seite, Marktlage und persönliche Beziehung.

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Die Finanzierung einer Übernahme

Eine Übernahme wird in den seltensten Fällen aus Eigenkapital allein finanziert. In der Regel ist ein Finanzierungsmix nötig.

Bankkredite. Das klassische Fremdkapital, in der Regel über deine Hausbank. Voraussetzung sind ein tragfähiger Businessplan, eine Unternehmensbewertung und ausreichende Sicherheiten.

KfW-Förderkredite. Vor allem der ERP-Förderkredit Gründung und Nachfolge (Programm 077) bis 500.000 Euro pro Antragsteller:in. Plus das ERP-Kapital für Gründung als eigenkapitalersetzendes Nachrangdarlehen, das wie Eigenkapital wirkt und die Bonität für weitere Kreditverhandlungen verbessert.

Landesförderbanken wie NRW.BANK, LfA Bayern, L-Bank Baden-Württemberg oder SAB Sachsen mit eigenen Programmen, oft mit besseren Konditionen für regionale Vorhaben.

Bürgschaftsbanken. Ein zentraler Hebel, wenn dir Sicherheiten für die Bank fehlen. Die Bürgschaftsbank des jeweiligen Bundeslandes übernimmt bis zu 80 Prozent des Kreditrisikos und macht damit eine Finanzierung möglich, die ohne Bürgschaft nicht zustande käme. Die Bürgschaftshöhe liegt in der Regel bei bis zu 1,25 Millionen Euro. Pro Bundesland gibt es eine eigene Bürgschaftsbank, die mit der Hausbank zusammenarbeitet.

Verkäuferdarlehen. Die übergebende Person finanziert einen Teil des Kaufpreises selbst, in Form eines gestundeten Betrags, der über mehrere Jahre zurückgezahlt wird. Sehr verbreitet bei KMU-Übernahmen, weil es Vertrauen signalisiert und Steuern für den Verkäufer optimieren kann.

Earn-out. Ein variabler Kaufpreisanteil, der von der zukünftigen Geschäftsentwicklung abhängt. Reduziert dein Risiko, weil du nur dann zahlst, wenn das Geschäft sich entwickelt wie erwartet.

Beteiligungskapital. Ein:e Investor:in, ein Family Office oder eine Beteiligungsgesellschaft steigt mit Eigenkapital ein und bekommt Anteile. Geeignet bei größeren Übernahmen mit Wachstumsperspektive.

Eine realistische Finanzierungsstruktur kombiniert mehrere dieser Bausteine. Sie wird in der Regel mit Hausbank, Förderberatung und M&A-Spezialist:in gemeinsam aufgesetzt.

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Der Übergabeprozess und die Beziehung zur übergebenden Person

Eine Unternehmensübernahme ist nicht nur eine wirtschaftliche Transaktion. Sie ist eine menschliche Übergabe. Genau hier scheitern oder gelingen Nachfolgen in der Praxis öfter als an den Zahlen.

Die übergebende Person hat in der Regel Jahrzehnte in das Unternehmen investiert. Sie kennt jede Maschine, jede Kund:in, jede schwierige Geschichte. Sie will loslassen, weiß aber nicht genau wie, und manchmal will ein Teil von ihr gar nicht wirklich loslassen.

Demut zeigen, ohne dich zu verstellen. Du kommst nicht, um zu zeigen, dass du es besser kannst. Du kommst, um etwas weiterzuführen. Diese Haltung ist nicht Devotion, sondern Realismus.

Zeit für die Übergabe einplanen. Sechs bis 24 Monate paralleler Arbeit mit der übergebenden Person sind üblich und sinnvoll. In dieser Zeit gehst du in die Kund:innen-Termine mit, übernimmst schrittweise Verantwortung, lernst die Belegschaft kennen.

Klare Rollen im Übergang vereinbaren. Wer entscheidet was, ab wann? Wer kommuniziert nach außen? Wer ist die Ansprechperson für die Belegschaft? Ohne klare Absprachen entstehen Loyalitätskonflikte.

Mit Schlüsselpersonen früh sprechen. Die zweite und dritte Führungsebene trägt das Unternehmen. Sie hat Erwartungen und kann wertvolle Verbündete oder problematische Bremser werden.

Konflikte früh ansprechen. Übergaben, in denen Konflikte unter den Teppich gekehrt werden, eskalieren später unter größerem Druck.

Die 5 Phasen der Übergabe findest du, wenn du dich registrierst.

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