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Gegründet, und jetzt?

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Ich habe gegründet.

Die Gründung ist geschafft, das Unternehmen läuft. Jetzt beginnt die Phase, in der sich entscheidet, ob aus deinem Start ein tragfähiges Geschäft wird. Auf dieser Seite findest du die wichtigsten Themen für die Aufbauphase. Von ersten Routinen über Kundengewinnung und Sichtbarkeit bis zu den spezifischen Anforderungen.

Die ersten Monate nach der Gründung fühlen sich oft chaotisch an. Du jonglierst zwischen Akquise, Aufträgen, Buchhaltung, Rechnungen und der Frage, ob du eigentlich richtig liegst. Das ist normal und es heißt nicht, dass du etwas falsch machst.

Was sich jetzt rächt, ist das Fehlen von Routinen. Was sich auszahlt, ist Routinen früh zu etablieren. Eine feste Buchhaltungsroutine einmal pro Woche, eine wöchentliche Reflexionszeit für strategisches Nachdenken, eine klare Trennung zwischen Akquise und Auftragsabwicklung und eine Quartalsplanung mit konkreten Zielen.

Routinen sind nicht spießig. Sie sind das Gegenteil von Improvisation. Improvisation ist anstrengend und führt langfristig zur Erschöpfung.

W

Kund:innen gewinnen und halten

Nichts ist wichtiger in der Aufbauphase als ein wachsender, stabiler Kundenstamm. Neue Kund:innen zu gewinnen kostet in der Regel das Fünffache dessen, was es kostet, bestehende Kund:innen zu halten. Trotzdem konzentrieren sich Gründer:innen meist fast ausschließlich auf Neukundengewinnung.

Was in der Praxis funktioniert: Bestandskund:innen aktiv pflegen durch regelmäßige Kommunikation, nicht nur wenn du etwas verkaufen willst. Empfehlungen aktiv erfragen, statt darauf zu warten. Lieferqualität auch dann halten, wenn neue Aufträge ziehen. Erreichbarkeit ernst nehmen, weil verzögerte Antworten als Geringschätzung gelesen werden. Mehrwert anbieten, der nicht abgerechnet wird, in Form von Tipps, Hinweisen oder Informationen, die für deine Kund:innen relevant sind.

Empfehlungsmarketing ist die mit Abstand stärkste Vertriebsform. Wer in den ersten Jahren zehn bis zwanzig zufriedene Kund:innen aufbaut, die freiwillig weiterempfehlen, hat ein solides Geschäftsfundament.

H

Sichtbarkeit und Netzwerk gezielt ausbauen

In der Startphase ging es darum, überhaupt sichtbar zu werden. Jetzt geht es darum, im Gedächtnis zu bleiben und in deiner Nische als Expert:in wahrgenommen zu werden. Wer in der Aufbauphase aufhört, am Netzwerk zu arbeiten, weil das Tagesgeschäft zieht, verliert über die Jahre den Boden unter den Füßen.

Konkrete Hebel: Bestehende Kontakte aktiv warm halten mit kurzen persönlichen Nachrichten alle drei bis sechs Monate.

Eine Expert:innen-Position aufbauen durch Vorträge, Fachartikel, Gastbeiträge oder Podcast-Auftritte. Eigene Inhalte mit Substanz veröffentlichen, statt jedem Trend hinterherzulaufen. Multiplikator:innen wie Steuerberater:innen, Anwält:innen oder Branchenverbände als Empfehlungsgeber:innen einbeziehen. In Communities aktiv bleiben, weil aus Gründer:innen Mitkund:innen, Partner:innen und Empfehlungsgeber:innen werden.

Lieber drei Formate konsequent über Jahre als zehn Formate halbherzig. Substanz schlägt Reichweite, gerade im B2B.

O

Solo-Selbständigkeit erfolgreich führen

Solo-Selbständige sind die größte Gruppe unter den Gründer:innen in Deutschland. Du arbeitest auf eigene Rechnung, oft freiberuflich oder als Einzelunternehmen, ohne Team und ohne große Strukturen. Das ist eine eigene Form des Unternehmertums mit eigenen Herausforderungen.

Die wichtigsten Themen für Solo-Selbständige: Deine Auslastung steuern, damit du weder unterbeschäftigt noch dauerhaft am Limit arbeitest. Deine Preise so kalkulieren, dass auch Urlaub, Krankheit, Akquise-Zeit und Altersvorsorge mitfinanziert werden.

Skalierungsgrenzen ehrlich anerkennen, weil deine Zeit nicht beliebig multiplizierbar ist. Dich selbst als wichtigste Ressource schützen, mit klaren Arbeitszeiten, Pausen und einem belastbaren sozialen Umfeld. Ein verlässliches Netzwerk aufbauen, das dich vor Isolation und einseitiger Abhängigkeit von wenigen Kund:innen bewahrt.

Solo-Selbständigkeit ist keine kleinere Variante des Unternehmertums. Sie ist eine eigene Disziplin mit eigenen Erfolgskriterien.

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Handwerksbetrieb aufbauen und führen

Handwerksbetriebe haben eigene Strukturen, eigene Pflichten und eigene Herausforderungen. Wer einen Handwerksbetrieb führt, kennt das Spannungsfeld zwischen Auftragslage, Fachkräftemangel, Materialkosten und Kammerpflichten.

Die wichtigsten Themen für Handwerksgründungen: Die Auftragslage stabil halten und gleichzeitig vermeiden, dauerhaft am Anschlag zu arbeiten. Fachkräfte gewinnen und halten, weil qualifizierte Mitarbeitende in den meisten Gewerken der größte Engpass sind. Die Werkstatt- und Lagerstrukturen so aufbauen, dass sie mit dem Betrieb mitwachsen können. Kammerpflichten und gesetzliche Anforderungen im Blick behalten.

Kalkulation und Auftragsdokumentation professionalisieren, weil viele Handwerksbetriebe wertvolle Arbeit unter Wert verkaufen. Die eigene Rolle als Unternehmer:in entwickeln, weg vom reinen Fachhandwerk hin zur Führung des Betriebs. Im Handwerk entscheidet oft nicht die fachliche Qualität über den unternehmerischen Erfolg, sondern die kaufmännische Führung und die strukturelle Aufstellung.

I

Wachstum oder Stabilität: was zu deinem Geschäft passt

Nicht jedes Geschäft muss wachsen. Aber jedes Geschäft muss stabil sein. Das ist eine wichtige Unterscheidung, die oft verloren geht im allgemeinen Wachstumsdruck.

Wachstum ist sinnvoll, wenn dein Geschäftsmodell es trägt, wenn du den unternehmerischen Aufwand willst und wenn der Markt es hergibt. Wachstum bedeutet zusätzliches Kapital, mehr Strukturen, größere Verantwortung und meist auch ein Team, das geführt werden will. Wer wachsen will, sollte sich vorher klar machen, was das bedeutet und ob er oder sie es tatsächlich will.

Stabilität ist genauso legitim. Ein Solo-Geschäft mit gutem Stundensatz und stabilen Kund:innen, ein Handwerksbetrieb mit fünf bis fünfzehn Mitarbeitenden, eine Praxis, ein Atelier, ein lokales Geschäft. Das sind erfolgreiche Geschäftsmodelle, die nicht wachsen müssen, um wertvoll zu sein.

Frag dich ehrlich: Willst du wachsen oder fühlst du dich nur dazu gedrängt? Die richtige Antwort ist die, die zu dir und zu deinem Geschäft passt.

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