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Mehr Gründungen, weniger Gründerinnen. Die Zahl, die keiner laut sagt.

Es gibt Schlagzeilen, die klingen wie ein Sieg. Dann liest man die Zahl darunter.

„Immer mehr Menschen gründen.“ So lief der KfW-Gründungsmonitor 2026 durch die Presse. Und ja, das stimmt. Rund 690.000 Gründungen in Deutschland 2025, nach 585.000 im Jahr davor. Ein deutlicher Sprung.

Nur: Der Anteil der Frauen ist im selben Jahr gesunken.

35 Prozent. So hoch war 2025 der Frauenanteil an allen Gründungen. Der langjährige Durchschnitt liegt bei 39. Im Vollerwerb, also da, wo Gründung zum Beruf wird und nicht zum Nebenprojekt, sind es nur noch 27 Prozent.

Das ist keine Randnotiz. Das ist die eigentliche Nachricht.

Was hinter dem Wachstum steckt

Der Zuwachs ist fast komplett Nebenerwerb. 483.000 Gründungen im Nebenerwerb, nach 382.000. Die Zahl der Vollerwerbsgründungen dagegen blieb fast unverändert. Rund 206.000.

Übersetzt heißt das: Es gründen nicht mehr Menschen ihre Existenz. Es gründen mehr Menschen ihr Zusatzeinkommen.

Und genau in diesem Zusatzeinkommen landen überproportional viele Frauen. Neben dem Job. Neben der Sorgearbeit. In der Nische, die sich abends noch ausgeht.

Das ist kein Mangel an Mut. Das ist eine Frage von Kapital, Zeit und Absicherung. Wer die Hauptlast zu Hause trägt, gründet selten „all in“. Wer beim Kredit strukturell schlechter dasteht, plant kleiner. Die Idee ist nicht kleiner. Der Spielraum ist es.

Warum das mehr als ein Frauenthema ist

Eine Volkswirtschaft, in der Frauen vor allem nebenbei gründen, verschenkt Wachstum. Nebenerwerb schafft selten Arbeitsplätze. Vollerwerb schon.

Und die Lücke sitzt da, wo es weh tut. Bei Übernahme, Skalierung, Wachstumsfinanzierung. Also überall dort, wo aus einer Idee ein tragfähiges Unternehmen wird. Wer nur nebenbei startet, kommt an diese Schwelle oft gar nicht erst.

Die Nachfrage ist da. Es fehlt nicht am Willen. Es fehlt an Struktur.

Das Take-away

Die Schlagzeile „mehr Frauen gründen“ ist nicht falsch. Sie ist nur bequem.

Was zählt, ist nicht, wie viele nebenbei anfangen. Was zählt, ist, wie viele es sich leisten können, ganz zu gründen.

Solange Gründung für Frauen vor allem das ist, was abends noch übrig bleibt, ist die Gleichung nicht aufgegangen.

Mehr Gründungen sind ein guter Tag. Mehr Gründerinnen im Vollerwerb wären eine Wende.

Quellen:

  • KfW-Gründungsmonitor 2026, KfW Research: https://www.kfw.de/PDF/Download-Center/Konzernthemen/Research/PDF-Dokumente-Gr%C3%BCndungsmonitor/KfW-Gr%C3%BCndungsmonitor-2026.pdf
  • „Gründen Frauen in Deutschland wirklich häufiger? Ein Blick hinter die Schlagzeile“, business-punk.com: https://www.business-punk.com/female/gruenden-frauen-in-deutschland-wirklich-haeufiger-ein-blick-hinter-die-schlagzeile/